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Streit-Thema bei Pferden: Barhuf oder Hufeisen?

Experten-Interview· Dr. Veronika Klein
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Oldie but Goldie

In über acht Jahren „Kernkompetenz Pferd“ sind fast 200 Folgen entstanden, die auch Jahre später an Relevanz nichts verloren haben. Daher legen wir Gold-Folgen nochmal neu auf, denn auch wenn sie nicht neu aufgenommen wurden – ihr Inhalt ist aktueller denn je. Denn gute Medizin folgt keinem Trend. Sie basiert auf Wissen, Zusammenhängen und einem klaren Blick für das Pferd.

Viel Freude beim (Wieder-)Hören.-

Barhuf oder Hufeisen? 5 Experten-Perspektiven zur Hufgesundheit

In dieser Episode lässt Dr. Veronika Klein verschiedene Experten zu Wort kommen, um das komplexe Thema Huf aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Es geht nicht darum, wer recht hat, sondern darum, die beste Lösung für das jeweilige Pferd zu finden.



Das Wichtigste in Kürze

»Ganzheitlichkeit: Hufgesundheit entsteht primär durch das Zusammenspiel von artgerechter Haltung (H), passendem Untergrund (U) und bedarfsgerechter Fütterung (F).


»Individualität: Es gibt kein “Richtig” oder “Falsch” für alle; die Nutzung des Pferdes, die Bodenbeschaffenheit und der Stoffwechsel entscheiden über Barhuf oder Beschlag.


»Konsequenz: Kurze Bearbeitungsintervalle (ideal 4–6 Wochen) sind entscheidend, um Fehlstellungen gar nicht erst entstehen zu lassen oder effektiv zu korrigieren.

Alle kommen zu Wort!

1) Christina und Barbara von Team Huf - Barhufbearbeiter

2) Laura Anthes — Hufheilpraktikerin Hufheilpraktik Anthes

3) Martin Brülke staatlich anerkannter Hufbeschlagsschmied @bruelke

4) Josephine Malzahn — Hufpflegerin nach F‑Balance

5) Franzi Kluth — Huforthopädin @pferdeglück_horsesolution

6) Tanja Rohrmann — Huforthopädin Website

6) Sandra Fencl Hufpflegerin und Pferdeexpertin Website

Hufgesundheit beginnt weit vor der Bearbeitung

Die Gesundheit der Pferdehufe wird massiv von äußeren Faktoren beeinflusst, die oft unterschätzt werden. Ein zentrales Konzept ist hierbei das Kürzel H‑U‑F: Haltung, Untergrund und Fütterung. Nur wenn diese drei Säulen stabil sind, kann ein Huf seine volle Funktion als Stoßdämpfer und Tastorgan erfüllen.

In der Haltung sind Bewegungskonzepte wie der Paddock Trail ideal, da sie das Pferd zu stetiger Bewegung motivieren. Der Untergrund sollte dabei so gewählt sein, dass er den Huf fordert, ohne ihn zu überlasten. Verschiedene Bodenbeläge, wie zum Beispiel runder Kiesel, fördern nicht nur den Abrieb, sondern massieren auch den Strahl und unterstützen so den Hufmechanismus.

Die Fütterung liefert die Baustoffe für die Hornqualität. Ein Mangel an Zink oder ein Überschuss an Zucker und Stärke kann die weiße Linie schwächen und die Anfälligkeit für Hufrehe erhöhen. Ein gesundes Pferdegewicht ist dabei die Grundvoraussetzung, um die Hufe vor mechanischer Überlastung zu schützen.

Barhuf: Mehr als nur ein Trend

Grundsätzlich kommt jedes Pferd barfuß zur Welt. Die Natur hat den Huf als hochkomplexes Organ konzipiert, das über eine enorme Stoßdämpfungsfähigkeit verfügt. Ein unbeschlagener Huf bietet dem Pferd eine bessere Propriozeption – es “fühlt” den Boden besser und kann seine Muskelspannung entsprechend anpassen.

Besonders junge Pferde sollten die Chance bekommen, barfuß auszuwachsen, damit sich die inneren Strukturen wie das Strahlbein und die Ballenpolster kräftig entwickeln können. Auch für viele Freizeitpferde ist Barhufgehen die erste Wahl, sofern das Gleichgewicht zwischen Abrieb und Wachstum stimmt. Bei vorübergehender Fühligkeit auf harten Wegen bieten moderne Hufschuhe eine hervorragende temporäre Lösung, ohne den Hufmechanismus dauerhaft einzuschränken.

Wann Hufeisen und permanenter Schutz nötig werden

Trotz der Vorteile des Barfußlaufens gibt es Situationen, in denen ein permanenter Hufschutz unumgänglich ist. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der Abrieb größer ist als das Hornwachstum. Leistungssportler im Springen, in der Vielseitigkeit oder im Distanzsport benötigen oft Schutz und zusätzliche Traktion durch Stollen.

Auch bei spezifischen Erkrankungen, wie einer Hufbeinfraktur oder fortgeschrittener Arthrose, kann ein orthopädischer Beschlag oder ein moderner Kunststoffschutz für die nötige Stoßdämpfung und Ruhigstellung sorgen. Wichtig ist hierbei die Erkenntnis, dass “Hufschutz” heute weit mehr als nur das klassische Eisen bedeutet. Klebebeschläge und Kunststoffvarianten bieten flexible Alternativen, die den Huf weniger starr fixieren als genageltes Eisen.

Die Schiefe des Pferdes und ihre Auswirkung auf den Huf

Ein oft übersehener Aspekt ist der Zusammenhang zwischen der Biomechanik des restlichen Körpers und der Hufform. Schiefe Hufe sind häufig ein Spiegelbild der natürlichen Schiefe des Pferdes oder von Blockaden im Bewegungsapparat. Wenn ein Pferd unphysiologisch fußt, etwa über die Zehe statt über die Trachte, belastet es die Strukturen im Huf ungleichmäßig.

Hier greift das Training: Eine korrekte Gymnastizierung hilft dem Pferd, in eine bessere Balance zu finden, was wiederum die Hufbelastung optimiert. Manchmal ist es sinnvoll, die Hufbearbeitung mit osteopathischen oder physiotherapeutischen Behandlungen zu kombinieren, um dem Pferd die Umstellung auf eine korrekte Beinachse zu erleichtern.

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Die größten Fehler im Hufmanagment

Das wohl kritischste “No-Go” in der Hufwelt sind zu lange Bearbeitungsintervalle. Viele Probleme wie untergeschobene Trachten, eine gezerrte weiße Linie oder Strahlfäule entstehen schleichend, weil der Huf zwischen den Terminen zu lang wird. Ein Intervall von acht bis zwölf Wochen ist für die meisten Pferde zu lang, um korrigierend einzuwirken. Ideal sind Zeiträume von vier bis sechs Wochen, um den Huf konstant in einer gesunden Form zu halten.

Ein weiterer Fehler ist die übermäßige Verwendung von Hufölen oder Fetten. Diese versiegeln den Huf oft gegen die benötigte Feuchtigkeit von außen. Ein gesunder Huf braucht in erster Linie sauberes Wasser und keine künstlichen Barrieren, die den natürlichen Austausch verhindern.

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