Die WurmkurEin Tag im ReitstallEs war einmal ein Tag im Reitstall
Folge Britta und Sina durch einen Tag im Reitstall — und entdecke, wie Wissen aus dem gleichen Aushang am schwarzen Brett zwei völlig verschiedene Geschichten macht.
Eine Geschichte über zwei Pferdemenschen, eine Wurmkur — und den Unterschied, den Wissen macht.
Es war einmal ein Tag im Reitstall. Die Sonne kämpfte sich durch die Wolken, und die ersten warmen Strahlen fielen auf das Fell von Brittas Pferd. Sie berührte das weiche Fell und spürte die Wärme, dabei holte sie tief Luft und genoss den Geruch von den Pferden.
Sie freute sich schon sehr auf die kommende Weidesaison. Genauso wie ihr Hund, ganz typisch Colli eben.
Gut gelaunt liefen die drei Richtung Wald für einen ersten Frühlingsspaziergang. Da kamen sie am schwarzen Brett vorbei, und Britta sah von Weitem schon den neuen Aushang.
Neugierig schaute sie, was es Neues gibt — und beim Lesen der ersten Zeile übermannte sie die Enttäuschung. Nichts Spannendes, sondern die Wurmkur stand an.
Sie merkte sofort, wie ihre Brust schwer und eng wurde, ihr Herz schlug schneller — denn sie wollte eigentlich keine Chemie in ihrem Pferd. Hier im Stall war das aber Pflicht, und sie fühlte sich machtlos und ausgeliefert.
Sie hatte schon so oft nachts wach gelegen und überlegt, eine Kotprobe zu nehmen. Aber noch mehr Kosten — und wenn nicht alle mitmachen, dann bringt es ja eh nichts, oder? Ihr Gedankenkarussell war an.
Auf dem ganzen Spaziergang überlegte sie fieberhaft, was sie tun könnte, wie sie mit ihrer Stallbesitzerin sprechen könnte, ob ihr Pferd die Wurmkur wohl gut vertragen würde — und ob dann auch wirklich alle Würmer weg sein würden.
Und schwups war die Runde um, und sie stand wieder am Stall. Das war gar nicht entspannt, und den Wald und die Frühlingssonne hatte sie ganz verpasst.
Nachdem sie ihr Pferd weggebracht hatte, trug sie sich widerwillig in die Liste ein. Na gut, nächste Woche Samstag dann eben. Als sie ins Auto stieg, fuhr Sina auf den Hof, und sie winkte ihr noch zu, bevor es nach Hause ging.
Sinas Morgen
Es war einmal ein Tag im Reitstall. Die Sonne kämpfte sich durch die Wolken, und die ersten warmen Strahlen fielen auf das Fell von Sinas Pferd. Sie berührte das weiche Fell und spürte die Wärme, dabei holte sie tief Luft und genoss den Geruch von den Pferden.
Sie freute sich schon sehr auf die kommende Weidesaison. Genauso wie ihr Hund, ganz typisch Colli eben.
Schade, dass Britta schon weg war, denn die beiden spielen immer ganz wunderbar. Vielleicht können sie sich zum Waldspaziergang für nächste Woche verabreden.
Gut gelaunt liefen die drei Richtung Wald für einen ersten Frühlingsspaziergang. Da kamen sie am schwarzen Brett vorbei, und Sina sah von Weitem schon den neuen Aushang.
Neugierig schaute sie, was es Neues gibt — und beim Lesen der ersten Zeile erhellte sich ihr Gesicht.
Ah, das passt ja super. Ich habe gerade heute die Tüte für die Kotprobe dabei, dann passt das zeitlich ja super. Nur schade, dann wird der Waldspaziergang mit den Hunden wohl nichts.
Ihr Hund bleibt nämlich nach Wurmkurgabe bei den Pferden immer für ein paar Tage zu Hause, damit er nicht aus Versehen etwas von dem Pferdekot frisst mit noch enthaltender Wurmkur. Hunde können daran nämlich sterben — und ganz besonders gefährdet sind nämlich Collis.
Im Wald hörte sie die Vögel zwitschern, fühlte die Sonne auf ihrer Haut, ihr Pferd schnaubte zufrieden neben ihr, und ihr Hund hatte die Freude seines Lebens. Ach, ist der Frühling herrlich!
Und dann setzte ihr Pferd kurz vor dem Stall auch noch Kot ab. Den sammelte sie schnell ein — 150 g, ganz nach Laborangaben.
Das war richtig entspannt, und den Wald und die Frühlingssonne hatte sie in vollen Zügen genießen können. Nachdem sie ihr Pferd weggebracht hatte, trug sie sich schnell in die Liste ein und schickte eine Mail an das Kotlabor, dass die Probe heute in die Post geht.
Was Wissen Verändert
Eine Woche später …
Sina hat ihr Ergebnis bereits zurückbekommen. Im Kot befinden sich Strongyliden-Eier. Das Labor hat daraufhin auch eine Larvenanzucht gemacht, um sicherzugehen, dass es nur kleine Strongyliden sind und keine großen Strongyliden. Denn die Großen wandern durch den Körper, bohren sich durch den Darm, in die Gefäße und in die Lunge. Dabei richten sie viel Schaden an, und es kann sogar tödlich enden, wenn ein Gefäß zum Darm verstopft wird durch den Wurm.
Der Darm erhält dann kein Blut mehr, stirbt ab, und das Pferd erleidet eine furchtbare Kolik mit sehr schlechter Prognose.
Sina ist beruhigt, dass sie diese Fieslinge nicht im Bestand haben. Es wurden auch keine Bandwürmer gefunden — auch wenn sie das im Herbst nochmal gegenchecken wird mit einer Speichelprobe.
Die ist nämlich viel sicherer in der Aussage als die Kotprobe in Bezug auf die Bandwürmer. Der verwendete Wirkstoff im Stall hat allerdings häufig Resistenzen bei kleinen Strongyliden. Daher stellt sie sich jetzt schon mal eine Erinnerung für in zwei Wochen ein — für die Wirksamkeitsprobe.
Es ist Samstag, und Britta und Sina geben ihren Pferden die Wurmkur — denn das ist Pflicht hier im Stall, ohne Ausnahme.
Der Moment Danach
Sonntag ist wieder wunderbares Wetter, und Britta will ihren Waldspaziergang wiederholen — diesmal aber in Ruhe, ohne Kopfkino.
Wie letzte Woche stapfen die drei los, wie immer dabei ihr Hund Robbi. Auf halber Strecke liegen Pferdeäppel, und ihr Hund schnappt sich ein paar davon. Britta schimpft, aber es ist zu spät. Naja, was soll’s, ist ja nur halb so schlimm.
Ein Tag später …
Britta wird morgens wach, weil ihr Hund merkwürdige Geräusche von sich gibt. Sie steht auf und sieht nach. Ihr wird heiß und kalt. Robbi schwankt, speichelt und zittert am ganzen Körper.
Sofort ruft sie beim Tierarzt an und rast los. Ihr Herz rast, und sie hat solche Angst.
In der Praxis angekommen, wird ihr Hund sofort intensivmedizinisch versorgt. Nach dem Vorbericht wird klar: Schuld sind die Wurmkur-Reste in den Pferdeäppeln. Britta wird über den MDR1-Defekt informiert.
Sie schluchzt laut und macht sich furchtbare Vorwürfe. Da sie die Symptome so früh entdeckt hat, stehen die Chancen gut, dass ihr Hund es überlebt. Aber er wird eine lange Zeit auf der Intensivstation verbringen müssen.
Zwei Wochen später …
Britta hat ihren Hund wieder zu Hause — und da kommt die nächste schlechte Nachricht: Es muss nochmal entwurmt werden. Sie versteht die Welt nicht mehr. Sie hat doch entwurmt, Geld bezahlt, ihr Hund fast mit dem Leben! Und jetzt nochmal eine Wurmkur? Warum das denn?
Die Erklärung ist folgende: Sina hat wie üblich nach zwei Wochen eine weitere Kotprobe genommen, die gilt der Wirksamkeitskontrolle. Leider gab es schlechte Nachrichten: Die Würmer sind resistent, und der Kot ist immer noch voller Wurmeier.
Das betrifft den ganzen Bestand, da die Würmer resistent sind — nicht die einzelnen Pferde. Daher muss der Wirkstoff gewechselt werden für alle Pferde im Bestand, bevor sie auf die Wiese gehen.
Das ist wichtig, damit die Wiese nicht kontaminiert wird mit resistenten Würmern und es davon immer mehr gibt hier.
Gemeinsam Weiter
Die Stallbesitzerin lobt Sina, dass sie so ausgezeichnet informiert ist und so den ganzen Bestand vor Schlimmerem bewahrt hat. Es ist zwar eine schlechte Nachricht, aber gut, dass es festgestellt worden ist — zum Schutz aller. Sina fühlt, wie sie innerlich größer wird und ein wenig stolz auf sich ist.
Auf dem Weg nach Hause trifft sie Britta am Auto, die ihr ganz aufgelöst von ihrer Horror-Wurmkur-Geschichte erzählt.
Sina nimmt sie in den Arm und drückt sie fest, bis das Weinen weniger wird.
Sie lädt Britta ein, gemeinsam mit ihr das Thema Entwurmung einmal richtig in der Tiefe aufzuarbeiten, damit sie Ruhe und Sicherheit bekommt.
Sina hat den Kurs Entwurmung mit Plan von Kernkompetenz Pferd gemacht. Und alles, was sie zu diesem Thema weiß, dort gelernt. Diesen wird sie jetzt noch einmal zusammen mit Britta anschauen.
Denn auch wenn wir im Stall verpflichtet sind, die Wurmkur zu geben, können wir so viel Wertvolles für unsere Pferde, unsere Nerven und die Umwelt tun.
Aber das mit der Umwelt erklärt Sina Britta erst später — eins nach dem anderen.
Jetzt gehen sie erstmal mit den Pferden eine Runde gemeinsam in den Wald. Die Hunde sind beide zu Hause. Mit denen gehen sie dann weit abseits vom Stall im Anschluss die Frühlingssonne genießen.
Zur Bildgestaltung
Die Cartoon-Illustrationen in dieser Bildergeschichte sind mit KI-gestützter Bildgenerierung entstanden. Wir nutzen diese Technologie bewusst und transparent, weil sie es uns erlaubt, fachliche Inhalte in einem eigenen, zur jeweiligen Geschichte passenden Bildstil zu erzählen — anschaulich, individuell und ressourcenschonend. So bleibt mehr Zeit und Energie für das, worauf es uns wirklich ankommt: fundiertes Pferdewissen, das ankommt.