Das Wichtigste in Kürze
» Feldenkrais ist eine wissenschaftlich fundierte Selbstlernmethode, die über Bewegung Bewusstheit schafft und neue Bewegungsmuster im Nervensystem verankert.
» Reiterinnen finden über kleinschrittige Bewegungsfragen einen neutralen, ausbalancierten Sitz, den ihr Körper dauerhaft speichert.
» Auch Pferde profitieren von der Methode, weil sanfte Bewegungsanfragen ihr Nervensystem entlasten und neue Bewegungsfreiheit ermöglichen.
» Geforscht wird statt geübt: Es gibt kein Richtig oder Falsch, sondern die Frage, wie sich Bewegung leichter und organischer anfühlen kann.
Stell dir vor, du gehst nach einer kurzen Bewegungsarbeit zurück zu deinem Auto und merkst plötzlich: Du kannst dich nach hinten umdrehen, ohne dass die Schulter sticht. Der Rücken ist still. Das Sitzen fühlt sich leicht an. Genau dieser Moment hat Silke Möller damals von Feldenkrais überzeugt — und sie hat ihn seitdem in ihrer Arbeit als Feldenkrais-Pädagogin für Mensch und Pferd hundertfach an Reiterinnen und Reiter weitergegeben. Silke ist zertifizierte Feldenkrais-Pädagogin für Mensch und Pferd, Kinderkrankenschwester und Diplom-Heilpädagogin. Mehr über Silke und ihre Arbeit findest du hier: Lernwege Lippe
Feldenkrais wird oft mit Esoterik verwechselt oder mit dem Bild, jemand würde Kreise auf einem Feld laufen. Beides hat mit der Methode nichts zu tun. Feldenkrais ist eine wissenschaftlich fundierte Selbstlernmethode, die über Bewegung Bewusstheit schafft — und damit den Reiter in seinem Körper, den Reitersitz und am Ende auch das Pferd verändert. Dieser Artikel zeigt, wie das funktioniert, warum gerade Pferdemenschen davon profitieren und wie du den Forschergeist sofort in deinen Stallalltag mitnehmen kannst.
Was ist Feldenkrais — und was nicht?
Feldenkrais ist eine Lernmethode, entwickelt von Moshé Feldenkrais (1904–1984). Er war Physiker, Ingenieur und Judoka — also alles andere als esoterisch. Nach einer Knieverletzung konnte er sich nicht mehr so bewegen, wie er es gewohnt war. Statt das verletzte Gelenk zu „reparieren", hat er angefangen, sich selbst genau zu beobachten: Wie bewege ich mich gerade? Und wie könnte ich mich bewegen, damit das, was kaputt ist, besser funktioniert?
Daraus ist eine selbst-edukative Methode entstanden, die nicht von außen korrigiert, sondern den Menschen anregt, sich selbst zu erforschen. Du fragst dich permanent: Wie mache ich das eigentlich gerade? Wo startet diese Bewegung in meinem Körper? Was passiert, wenn ich sie ein wenig verändere? Aus diesen Fragen entstehen feine Veränderungen, die das Nervensystem speichert — und genau dort liegt der Unterschied zu klassischen Korrekturansätzen, bei denen jemand anderes dir sagt, wie du es richtig machen sollst.
Bewusstheit durch Bewegung — der Kerngedanke
Feldenkrais nennt diesen Prozess Bewusstheit durch Bewegung. Du wirst dir über deine eigene Bewegung bewusst, indem du sie machst, kleinschrittig veränderst und beobachtest, was dabei passiert. Der Effekt: Du wirst beweglicher, du fühlst dich besser in deinem Körper, Schmerzen werden weniger. Aber das ist nicht die Hauptsache. Die Hauptsache ist, dass du beweglich im Geist wirst — dass du Dinge umschmeißen kannst, weil du gerade siehst, so klappt es nicht.
Moshé Feldenkrais hat einen Leitsatz hinterlassen, der die ganze Arbeit zusammenfasst: Vom Unmöglichen zum Möglichen, vom Möglichen zum Leichten und vom Leichten zum Eleganten. Das Eleganten ist dabei nicht das Ziel auf morgen. Es ist die Richtung. Und es bedeutet: Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Es gibt nur die Frage, wie du etwas machst — und ob du es so machen kannst, dass es sich für dich stimmig und organisch anfühlt.
Warum Feldenkrais für Reiter besonders kraftvoll ist
Die meisten Reiterinnen kennen das Phänomen: Du sitzt auf dem Pferd, du fühlst dich kerzengerade — und im Video siehst du, dass du im Stuhlsitz hängst oder mit Hohlkreuz festklemmst. Deine Körperwahrnehmung entspricht nicht der Realität. Das ist nicht peinlich, sondern schlicht eine Eigenschaft des menschlichen Nervensystems: Was du jahrelang automatisierst, fühlt sich „gerade" an, auch wenn es das gar nicht ist.
Ein Reitlehrer setzt dich um, du sitzt plötzlich physiologisch korrekt — und für dich fühlt es sich komplett falsch an. Sobald du aus dem direkten Feedback raus bist, rutschst du in deine alten Muster zurück. Das ist der Punkt, an dem klassische Sitzschulung an eine Grenze stößt: Du weißt, wie es sein soll, aber dein Nervensystem hat es nicht abgespeichert. Es bleibt eine fremde Position, die du aktiv halten musst.
Feldenkrais setzt genau hier an. Statt dich umzusetzen, lernt dein Körper über kleine Bewegungsfragen selbst, wo seine Mitte ist und wie er sie ohne Anstrengung findet. Du lernst eine neue Bewegung an dir selbst — und damit ist sie in dir integriert. Beim nächsten Aufsteigen ist sie nicht weg. Sie ist Teil deines Repertoires geworden. Genau das ist nachhaltige Sitzschulung. Wer das Thema Reiterkörper auch von der konditionellen Seite betrachten möchte, findet in unserem Beitrag Reiter Fitness: Die 6 Säulen für deinen Erfolg im Sattel eine gute Ergänzung zu dieser Wahrnehmungsarbeit.
Die zwei Säulen der Methode: ATM und funktionelle Integration
Feldenkrais arbeitet mit zwei Formaten. Das erste heißt Awareness through Movement (ATM) — Bewusstheit durch Bewegung. Du bekommst verbale Bewegungsanleitungen, meist im Liegen, manchmal im Sitzen oder Stehen. Eine Anleitung kann lauten: „Du liegst auf deiner linken Seite. Strecke deinen rechten Arm zur Zimmerdecke aus." In einer Gruppe mit zehn Menschen findest du zehn verschiedene Varianten, wie man diese Anleitung umsetzen kann. Und das Erste, was du lernst: Sie sind alle richtig.
Feldenkrais arbeitet mit Constraints — also bewussten Einschränkungen, die deine gewohnte Bewegung verhindern und dich zwingen, deinen Körper anders zu nutzen. Eine Frage, die Silke Möller selbst zwei Jahre lang in ihrer Ausbildung gestellt bekommen hat: „Rolle deinen Kopf. Bis wohin kannst du das Kopfrollen in deinem Körper spüren? Wissen deine Füße etwas davon?" Zwei Jahre lang dachte sie: Was will sie vom Mond? Bis es klick gemacht hat. Denn der Körper ist verbunden — wenn du deinen Kopf bewegst, geht das über die Wirbelsäule ins Becken, in die Beine, in die Füße. Wenn du einen Teil veränderst, veränderst du das ganze System.
Funktionelle Integration — die stille Arbeit am Tisch
Die zweite Säule heißt funktionelle Integration. Hier arbeitet die Feldenkrais-Pädagogin im Einzelsetting mit den Händen. Der Mensch legt sich auf den Feldenkrais-Tisch — bewusst relativ hart, damit der Körper den Boden als Information bekommt. Dann wird er gelagert und unterstützt, dort wo sein Körper Lücken hat. Das Beispiel einer Klavierspielerin: Sie liegt, und du siehst einen Bogen in der Hand — Fingerspitzen auf dem Tisch, Handgelenk in der Luft, dann erst der Ellenbogen wieder auf dem Tisch. Damit dieser Arm loslassen kann, braucht er Stütze. Sicherheit ist das A und O.
Erst wenn das Nervensystem sich sicher fühlt, fährt es runter. Erst dann werden Bewegungen möglich. Diese Bewegungen fragt die Feldenkrais-Pädagogin mit den Händen an — sanft, klein, achtsam auf Widerstände. Das wichtigste Prinzip: Was gehalten wird, wird gehalten. Wenn der Körper irgendwo Spannung aufbaut, wird nicht versucht, sie wegzubewegen. Sie wird unterstützt, übernommen, gehalten. Erst wenn der Muskel dieses „ich übernehme das für dich" spürt, kann er loslassen.
Dann frägt die Pädagogin Bewegung über die Knochen an — nicht über die Muskulatur. Sie denkt in Knochenketten und fragt diese Ketten freundlich, ob sie sich bewegen mögen. Das Ergebnis sind oft erstaunliche Aha-Momente: Plötzlich hebt sich ein Arm, der vorher schwer war, mit minimaler Kraft. Der Mensch spürt: „Das ging bis in meine Schulter, in den Brustkorb, ins Becken." Es ist Arbeit am Nervensystem — und damit auch an Themen wie chronischer Verspannung, Migräne oder Reizdarm, die in unserem überstimulierten Alltag häufig auftreten.
Sitzschulung mit Feldenkrais: erst das Holzpferd, dann das echte Pferd
Wer mit Feldenkrais an seinen Reitersitz arbeiten möchte, fängt klugerweise nicht auf dem Pferd an. Silke Möller setzt ihre Schülerinnen erst aufs Holzpferd — und zwar ohne Sattel und ohne Reitpad. Der Grund: Auf dem Holzpferd kannst du deine Mitte spüren, ohne dass dich gleichzeitig die Bewegung des lebenden Tieres ablenkt. Deine Sitzbeinhöcker liegen rechts und links der Wirbelsäule. Sie sind dein direkter Kontakt zum Pferd. Wer sie nicht kennt, reitet im Blindflug.
Die Arbeit auf dem Holzpferd geht über sehr genaue Fragen. „Stell dir vor, unter deinem Gesäß liegt ein Lineal, das im 90-Grad-Winkel zur Wirbelsäule des Pferdes ist. Wo befinden sich deine Sitzbeinhöcker? Sind sie auf dem Lineal? Ist einer davor, einer dahinter?" Diese Fragen werden Schritt für Schritt aufgebaut. Du fühlst, du beantwortest sie für dich selbst, du veränderst kleine Dinge. Irgendwann ist er da: dein neutraler Sitz. Du sitzt wirklich mittig auf deinen Sitzbeinhöckern. Du bist ausbalanciert. Du bist im Rumpf stabil, ohne dich anstrengen zu müssen.
Das Bild dahinter: Becken und Wirbelsäule bauen sich aufeinander wie ein Turm, der nicht umfallen kann. Wenn du diese Knochenkette nutzt, bis hoch zum Kopf, brauchst du kaum Muskelkraft, um aufrecht zu sitzen. Du könntest stundenlang so sitzen, ohne dich anlehnen zu müssen. Wenn du diesen Sitz auf dem Holzpferd gefunden hast, gehst du aufs echte Pferd — und stellst dir dieselben Fragen. Und plötzlich antwortet ein lebendiges Wesen darauf.
Das Pferd als Spiegel: dein Sitz spricht, bevor du redest
Pferde sind grandiose Partner für Feldenkrais. Sie geben dir sofort Rückmeldung. Wenn du mit Hohlkreuz sitzt und Becken und Hüftgelenke blockierst, läuft dein Pferd anders, als wenn du im neutralen Sitz sitzt. Auch wenn du dich krumm fühlst — wenn dein Pferd schnaubt, von hinten nach vorne durchgeht, mit pendelndem Kopf läuft und der Schweif locker schwingt, dann sitzt du gut. Das Pferd ist Partner, Spiegel und Rückmeldungsinstrument zugleich.
Ein Beispiel: Du leitest ein Beckenrollen an. Du kannst diese Bewegung aus dem Becken starten. Du kannst sie aus den Oberschenkeln starten. Du kannst sie vom Kopf aus denken, indem du dich groß und klein machst. Jede Variante macht einen kleinen Unterschied. Und wenn du gerade die richtige für dieses Pferd in diesem Moment gefunden hast, fängt es an, zufrieden zu schnauben. Das ist dann der Moment, in dem es spannend wird — aber nicht ins Wollen kommen, nicht ins „Jetzt muss ich das halten". Sondern weich bleiben, weiter forschen, weiter fragen: Was kann ich ändern, damit es noch leichter wird?
Feldenkrais am Pferd: leise Arbeit am Nervensystem
Feldenkrais funktioniert nicht nur mit dem Reiter, sondern auch mit dem Pferd selbst. Silke Möllers Erfahrung ist sogar, dass es mit dem Pferd häufig schneller geht als mit dem Menschen. Der Grund: Das Pferd lebt im Hier und Jetzt. Es hat kein Gestern, kein Morgen, keine Sorgen um die Arbeit. Wenn das Umfeld ruhig genug ist und das Pferd bereit ist, mitzuarbeiten — und das frägt Silke ausdrücklich ab —, beginnt eine sehr stille Form der Arbeit.
Sie scannt mit den Händen, fühlt, wo das Pferd hält. Wenn der Hals krass fest ist, kann der ganze Rest nicht gut nachschwingen. Wenn dann noch ein Reiter aufkommt oder der Sattelgurt fest gezogen wird, entstehen Verspannungen, die irgendwann als Bocken, Sattelzwang oder „macht alles nicht mehr richtig" interpretiert werden. Statt dagegenzuarbeiten, gilt auch hier: Was gehalten wird, wird gehalten. Sie übernimmt diese Spannung, schenkt dem Pferd Sicherheit — und fragt dann minimale Bewegungen an.
Ein Beispiel: das Pferd mit Spat
Ein Pferd mit fortgeschrittenem Spat hatte sein Becken so umorganisiert, dass es schief stand. Es musste mit der verknöcherten Erkrankung leben und hatte sich eine Kompensation gebaut. Silke nahm die Sitzbeinhöcker des Pferdes — ja, das geht beim Pferd genauso wie beim Menschen — und fragte eine Acht-Bewegung an, aus ihrem ganzen Körper heraus, nicht nur aus den Armen. Das Pferd stand still, die Augen wurden verklärt, dann fing es an, im Stand mit dem Kopf zu pendeln, wie es sonst nur im Schritt tut. Es lief nicht — und trotzdem war sein gesamtes System in Bewegung.
Als Silke aus dem Kontakt rausging, blieb das Pferd da. Es schnaubte, es gähnte, es atmete tief durch — die Zeichen, dass das Nervensystem gerade integriert. Dann nahm sie es wieder dran, und das Pferd fing aktiv an, das Becken neu zu sortieren. Es probierte aus, mal rechts zu entlasten, mal links. Es nutzte sein Becken anders, leitete die Bewegung anders übers Kreuzbein in die Wirbelsäule hoch in den Kopf. Nach der Sitzung lief es anders los. Andere Menschen am Stall haben es gesehen und gefragt, was mit ihm los sei. Genau dieses „die Pferde denken mit" macht die Methode für Silke so faszinierend.
Pferde im Boxenrest: mentale Arbeit ohne Schritte
Besonders wertvoll ist die Methode bei Pferden, die nicht laufen dürfen — nach Sehnenschäden, in der Boxenruhe, nach Operationen. Auch in der Box können diese Bewegungsanfragen stattfinden. Das Pferd fühlt in sich hinein, das Nervensystem ist in Bewegung, obwohl die Beine still stehen. Das gibt dem Pferd mentale Auslastung — und wenn es endlich wieder raus darf, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es an der Hand explodiert, deutlich geringer. Das ist Prävention, Verletzungsminimierung und Lebensqualität in einem. Ergänzend dazu lohnt der Blick in unseren Beitrag Trust Technique für dein Pferd & Achtsamkeit für dich, der einen verwandten Achtsamkeitsansatz aus einer anderen Richtung beleuchtet.
Forschen statt üben — die Haltung hinter der Methode
Ein Wort sollte man im Kreis von Feldenkrais-Pädagoginnen besser vermeiden: üben. Im Feldenkrais wird nicht geübt. Es wird geforscht, entdeckt und in Lektionen gearbeitet. Der Grund ist nicht spitzfindig: Wer übt, wiederholt eine Bewegung — und wer eine Bewegung wiederholt, die nicht gut für seinen Körper ist, festigt sie genau dadurch. Forschen bedeutet, jedes Mal neu hinzuspüren: Wie mache ich es heute? Was passiert, wenn ich etwas verändere? Ist es leichter geworden?
Damit verschiebt sich der ganze Anspruch an dich selbst. Du wirst nicht besser, weil du dich anstrengst. Du wirst leichter, weil du verstehst. Und du darfst trauen, dass dein Körper Antworten findet, sobald du ihm gute Fragen stellst. Diese Haltung schlägt durch in die Pferdearbeit. Wenn dein Pferd auf dem Zirkel zu dir reinkommt, fragst du nicht mehr: „Was ist mit dem Pferd los?" Du fragst dich: „Was habe ich gerade getan, dass es zu mir kommt?" Aus der Bewertung wird Beobachtung. Aus dem Konflikt wird ein Dialog.
Eine kleine Lektion für sofort: Wie stehst du eigentlich auf?
Eine Mini-Forschungsreise, die du jederzeit unternehmen kannst. Setz dich auf einen Stuhl. Steh auf. Und beantworte für dich: Wo hast du diese Bewegung gestartet? Aus dem Oberschenkel? Aus dem Hintern? Aus dem Kopf, der nach vorne gegangen ist? Wohin hast du geschaut? Setz dich wieder hin und steh nochmal auf — und lass die Bewegung diesmal bewusst aus deinem Scheitel starten. Aus dem höchsten Punkt deines Kopfes. Wie fühlt sich das jetzt an?
Mach es nochmal und lass die Bewegung von den Füßen aus starten. Wahrscheinlich wirst du wackeln. Bleib im Stehen kurz stehen. Wie verteilt sich dein Gewicht auf den Füßen? Halb Ballen, halb Ferse? Innen mehr als außen? Rechts wie links — oder fühlt sich eine Seite anders an? Und wie steht dein Becken über deinen Füßen? Was passiert, wenn du es minimal anders ausrichtest? Was macht dein Brustbein?
Du kannst diese Forscherübung in jede Situation deines Tages tragen. Beim Putzen am Pferd: Wie hältst du die Bürste? Wie viel Druck gibst du? Bewegt sich nur die Hand, oder geht das bis zur Schulter? An der Kasse, wenn es langweilig ist: Wo steht mein Gewicht? Was passiert, wenn ich es minimal verschiebe? Beim Autofahren: Wie fasse ich das Lenkrad? Wie lenke ich um die Kurve — aus dem Handgelenk, aus dem Ellbogen, aus der Schulter? Es geht nicht darum, dass eine Variante richtig ist. Es geht darum, dass du wieder anfängst zu fühlen, was du tust.
Warum die Methode für die Verbindung zwischen Mensch und Pferd Gold wert ist
Das Geschenk dieser Arbeit liegt in der Verbindung. Wenn du anfängst, mit so kleinen Ebenen mit deinem Pferd zu kommunizieren — eine Anspannung, an die du nur denkst und die sich schon im Körper verändert —, wird die Einwirkung so fein, dass dein Pferd dir das spiegelt. Du siehst, wie das System „klack" macht. Die Bewegung fließt. Das Pferd kann sich nutzen, wie es es sich wünschen würde. Im Gesicht der Reiterin oder des Reiters zeigt sich dieses Strahlen, das die Methode für Silke Möller selbst so wertvoll macht.
Wer diese Verbindung sucht und gleichzeitig die Bewegungsqualität seines Pferdes anschauen möchte, findet auch in Methoden wie dem Tensegralen Training mit Birte Ewaldsen spannende Anknüpfungspunkte — eine andere Tür, aber mit ähnlich grundlegender Frage: Wie kann sich dieses Pferd organisch und gesund bewegen?
Wo findest du Feldenkrais — und das neue Trainer-Format?
Silke Möller arbeitet vor Ort in Detmold im Kreis Lippe, in Ostwestfalen. Online-Formate bietet sie bewusst nicht an. Die Arbeit ist so eng, so körperlich und so feinfühlig, dass sie für sie nur im direkten Kontakt sinnvoll ist. Über ihre Website lernwege-lippe ist sie erreichbar — per Mail oder Telefon. Im persönlichen Austausch wird dann besprochen, was du dir wünschst und welcher Weg für dich passt.
Ein besonderes Format ist gerade in Zusammenarbeit mit Reittrainern entstanden: Erst eine reguläre Reitstunde, dann eine Feldenkrais-Einheit, dann wieder eine Reitstunde. Vorher-Nachher wird im Körper und im Pferd unmittelbar spürbar — der Trainer kann anschließend gezielt mit dem neuen Sitz arbeiten. Reiterinnen bekommen Aufgaben mit nach Hause, mit denen sie die Erkenntnisse im Alltag weitertragen. Trainerinnen und Trainer, die dieses Format an ihrem Standort anbieten möchten, sind eingeladen, mit Silke direkt Kontakt aufzunehmen — auch über größere Entfernungen, sofern der Umfang stimmt.
Fazit: Vom Unmöglichen zum Eleganten — Schritt für Schritt
Feldenkrais ist keine schnelle Korrektur, kein Trick und kein Wochenend-Wunder. Es ist eine Haltung. Du fängst an, dich selbst zu beobachten, ohne zu bewerten. Du veränderst kleine Dinge, hörst hin, was dein Körper antwortet, und entdeckst dabei eine neue Art von Leichtigkeit. Dein Reitersitz wird nicht nur korrigiert, sondern verankert. Dein Pferd wird nicht trainiert, sondern eingeladen, sein Nervensystem neu zu sortieren. Und du selbst lernst, dass Bewusstheit der Hebel ist, der alles andere bewegt.
Die wichtigste Übung für heute: Steh einmal anders vom Stuhl auf. Bemerke, was du tust. Fang an, dich für deine eigenen Bewegungen zu interessieren. Du wirst überrascht sein, wie viel sich in deinem Körper, in deinem Sitz und am Ende auch in deinem Pferd verändert, wenn du anfängst, die richtige Frage zu stellen: Wie mache ich das eigentlich gerade — und was passiert, wenn ich es ein bisschen anders mache?







